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Meldungen SEPTEMBER 2018
Ökumenische Ruhrgebietskonferenz prangert Langzeitarbeitslosigkeit und Kinderarmut an Erstes Treffen der leitenden Geistlichen der evangelischen und der katholischen Kirche im Ruhrgebiet. Armut, Arbeitslosigkeit und die vielen Facetten der Zuwanderung – bei ihrer ersten ökumenischen Ruhrgebietskonferenz haben die leitenden Geistlichen der katholischen und der evangelische Kirche in der Region kaum eines der sozialen Problemfelder ausgelassen, die die Region zwischen Rhein und Ruhr, Emscher und Lenne kennzeichnet. Die Kirchenvertreter verwiesen auf die nach wie vor überdurchschnittlich hohe Langzeitarbeitslosigkeit und die erschreckende Kinderarmut im Ruhrgebiet, die trotz der Erfolge beim Strukturwandel und der aktuell guten wirtschaftlichen Lage bislang nicht gelöst seien. Zum ersten Mal hatten sich die Ruhrsuperintendenten der evangelischen Landeskirchen Rheinland und Westfalen mit den Stadt- und Kreisdechanten des katholischen Bistums Essen getroffen. Neben Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck waren auch die westfälische Präses Annette Kurschus und ihr rheinischer Amtskollege Manfred Rekowski bei dem Treffen in der Mülheimer Akademie „Die Wolfsburg“ mit dabei. „Im Jahr 2018 geht etwas zu Ende, das uns während des gesamten Strukturwandels begleitet hat“, verwies Overbeck auf das Ende der Steinkohlenförderung im Dezember. „Als das Bistum Essen vor 60 Jahren gegründet wurde, wurden die ersten 20 Zechen geschlossen“, erinnerte der Bischof. Rekowski nannte das erste Treffen der Superintendenten und Dechanten im Ruhrgebiet „eine Uraufführung, die auch vor 60 Jahren schon ihre Berechtigung gehabt hätte“. Die ökumenische Initiative käme womöglich spät, aber mitnichten zu spät, so der Präses. Ökumenischer Gottesdienst zum Ende der Steinkohlenförderung Das Ende des Steinkohlenbergbaus werden die beiden Kirchen unter anderem mit einem Gottesdienst im Essener Dom begleiten. Als Leiter des ökumenischen Vorbereitungsteams informierte „Wolfsburg“-Direktor Michael Schlagheck die Geistlichen über die Feier, die am Donnerstag, 20. Dezember, geplant ist, dem Vorabend des offiziellen Bergbau-Endes. Dank einer Live-Übertragung des WDR-Fernsehens könne der Gottesdienst auch in Kirchengemeinden gezeigt werden, die einen besondere Beziehung zum Bergbau hätten, diskutierten die Geistlichen. „Wachsende Spreizung zwischen arm und reich“ Die besonderen sozialen Dimensionen des Ruhrgebiets und die daraus folgenden Herausforderungen für die Kirchen machte der Bochumer Theologe Traugott Jähnichen deutlich. International betrachtet sei das Ruhrgebiet ein Beispiel für gelungenen Strukturwandel – aber eben auch für die Probleme, die ein solcher Wandel mit sich bringe, so Jähnichen. Vor allem der nach wie vor bestehende Zusammenhang zwischen Wohnort und Bildungserfolg müsse entkoppelt werden, forderte der evangelische Theologie-Professor. Overbeck beklagte eine „wachsende Spreizung zwischen arm und reich. Bei uns leben sowohl die reichsten Menschen des Landes als auch überdurchschnittlich viele HartzIV-Empfänger“. Dadurch werde „die Trennung zwischen den Stadtteilen immer schärfer“. Jähnichen verwies auf die Diskussion um die Zukunft des Solidaritätszuschlags und betonte: „Eine nationale Solidarität ist weiter nötig, um den Herausforderungen im Ruhrgebiet zu begegnen.“ Beim Stichwort Wandel diskutierten die Geistlichen auch den „Struktwandel“ in den Kirchen, hin zu kleineren Organisationen mit weniger Standorten und Personal als früher, aber einer deutlich verstärkten ökumenischen Zusammenarbeit. Jähnichen warnte davor, dass sich katholische und evangelische Gemeinden – wenn es keine Absprachen gibt – womöglich beide aus den gleichen Stadtteilen zurückziehen. Wenn dies zudem besonders benachteiligte Quartiere wären „ist das das falsche Signal“. Rekowski verwies auf die Pfarreientwicklungsprozesse in den katholischen Gemeinden des Ruhrbistums, die immer auch eine ökumenische Perspektive eingenommen hätten. „Es bedarf dieser Perspektive: Wo können wir gemeinsam eine Kita betreiben oder eine Kirche nutzen.“ Seit gut einem Jahr ermutigt der ökumenische Aufruf „Gemeinsam Kirche sein“ zu diesen Aufbrüchen. „Wir stehen da erst am Anfang, aber das muss zum Normalfall werden“, warb rekowski. (tr)
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Ökumenische Ruhrgebietskonferenz prangert Langzeitarbeitslosigkeit und Kinderarmut an Erstes Treffen der leitenden Geistlichen der evangelischen und der katholischen Kirche im Ruhrgebiet. Armut, Arbeitslosigkeit und die vielen Facetten der Zuwanderung – bei ihrer ersten ökumenischen Ruhrgebietskonferenz haben die leitenden Geistlichen der katholischen und der evangelische Kirche in der Region kaum eines der sozialen Problemfelder ausgelassen, die die Region zwischen Rhein und Ruhr, Emscher und Lenne kennzeichnet. Die Kirchenvertreter verwiesen auf die nach wie vor überdurchschnittlich hohe Langzeitarbeitslosigkeit und die erschreckende Kinderarmut im Ruhrgebiet, die trotz der Erfolge beim Strukturwandel und der aktuell guten wirtschaftlichen Lage bislang nicht gelöst seien. Zum ersten Mal hatten sich die Ruhrsuperintendenten der evangelischen Landeskirchen Rheinland und Westfalen mit den Stadt- und Kreisdechanten des katholischen Bistums Essen getroffen. Neben Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck  waren auch die westfälische Präses Annette Kurschus  und ihr rheinischer Amtskollege Manfred Rekowski bei dem Treffen in der Mülheimer Akademie „Die Wolfsburg“ mit dabei. „Im Jahr 2018 geht etwas zu Ende, das uns während des gesamten Strukturwandels begleitet hat“, verwies Overbeck auf das Ende der Steinkohlenförderung im Dezember. „Als das Bistum Essen vor 60 Jahren gegründet wurde, wurden die ersten 20 Zechen geschlossen“, erinnerte der Bischof. Rekowski nannte das erste Treffen der Superintendenten und Dechanten im Ruhrgebiet „eine Uraufführung, die auch vor 60 Jahren schon ihre Berechtigung gehabt hätte“. Die ökumenische Initiative käme womöglich spät, aber mitnichten zu spät, so der Präses. Ökumenischer Gottesdienst zum Ende der Steinkohlenförderung Das Ende des Steinkohlenbergbaus werden die beiden Kirchen unter anderem mit einem Gottesdienst im Essener Dom begleiten. Als Leiter des ökumenischen Vorbereitungsteams informierte „Wolfsburg“-Direktor Michael Schlagheck die Geistlichen über die Feier, die am Donnerstag, 20. Dezember, geplant ist, dem Vorabend des offiziellen Bergbau-Endes. Dank einer Live- Übertragung des WDR-Fernsehens könne der Gottesdienst auch in Kirchengemeinden gezeigt werden, die einen besondere Beziehung zum Bergbau hätten, diskutierten die Geistlichen. „Wachsende Spreizung zwischen arm und reich“ Die besonderen sozialen Dimensionen des Ruhrgebiets und die daraus folgenden Herausforderungen für die Kirchen machte der Bochumer Theologe Traugott Jähnichen deutlich. International betrachtet sei das Ruhrgebiet ein Beispiel für gelungenen Strukturwandel – aber eben auch für die Probleme, die ein solcher Wandel mit sich bringe, so Jähnichen. Vor allem der nach wie vor bestehende Zusammenhang zwischen Wohnort und Bildungserfolg müsse entkoppelt werden, forderte der evangelische Theologie-Professor. Overbeck beklagte eine „wachsende Spreizung zwischen arm und reich. Bei uns leben sowohl die reichsten Menschen des Landes  als auch überdurchschnittlich viele HartzIV-Empfänger“. Dadurch werde „die Trennung zwischen den Stadtteilen immer schärfer“. Jähnichen verwies auf die Diskussion um die Zukunft des Solidaritätszuschlags und betonte: „Eine nationale Solidarität ist weiter nötig, um den Herausforderungen im Ruhrgebiet zu begegnen.“ Beim Stichwort Wandel diskutierten die Geistlichen auch den „Struktwandel“ in den Kirchen, hin zu kleineren Organisationen mit weniger Standorten und Personal als früher, aber einer deutlich verstärkten ökumenischen Zusammenarbeit. Jähnichen warnte davor, dass sich katholische und evangelische Gemeinden – wenn es keine Absprachen gibt – womöglich beide aus den gleichen Stadtteilen zurückziehen. Wenn dies zudem besonders benachteiligte Quartiere wären „ist das das falsche Signal“. Rekowski verwies auf die Pfarreientwicklungsprozesse in den katholischen Gemeinden des Ruhrbistums, die immer auch eine ökumenische Perspektive eingenommen hätten. „Es bedarf dieser Perspektive: Wo können wir gemeinsam eine Kita betreiben oder eine Kirche nutzen.“ Seit gut einem Jahr ermutigt der ökumenische Aufruf „Gemeinsam Kirche sein“ zu diesen Aufbrüchen. „Wir stehen da erst am Anfang, aber das muss zum Normalfall werden“, warb rekowski. (tr)
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