Copyright by Ev. Kirchenkreis Dinslaken M E L D U N G E N
Meldungen DEZEMBER 2018
Hochöfen mit Oblaten füttern Industriepfarrer blickt auf 26 Jahre KDA zurück Zum Auftrag des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt gehöre „wesentlich, da zu sein und mit zu sein in akuten Konflikten, wenn Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen um ihre Rechte kämpfen, auf und an der Seite der Benachteiligten. Sein wesentliches Merkmal ist Parteilichkeit.“ So skizziert Industriepfarrer Jürgen Widera im gerade erschienenen „Duisburger Jahrbuch 2019“ das Selbstverständnis der evangelischen Einrichtung. Und Jürgen Widera blickt auf inzwischen 26 Jahre bewegte KDA-Geschichte zurück. Dazu gehört auch die Sache mit der Citibank. Der „Industriepfarrer“ schreibt: „Ende der 1990er Jahre setzte die Citibank Beschäftigte frei, weil sie für Tarifverträge gestreikt hatten. Der KDA solidarisierte sich und verfasste ein Flugblatt mit der Aufforderung, kein Konto bei der Bank zu eröffnen, bis die Ex-Beschäftigten wiedereingestellt seien. Die Citi- bank – damals der Welt größte Kundenbank – verklagte daraufhin den KDA auf Unterlassung. Die Klage wurde vor Gericht abgewiesen, die Citibank legte mehrfach Berufung ein, bis letztendlich das Oberlandesgericht Düsseldorf endgültig dem KDA Recht gab. Begründung: Es sei nicht nur das Recht der Kirche, Ungerechtigkeiten zu benennen, sondern ihre verfassungsmäßige Aufgabe und Pflicht!“ Jürgen Widera, der seit 1992 zusammen mit Hans-Peter Lauer als Pfarrer im Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA), arbeitet, nimmt in dem Artikel weitere Streiflichter der KDA- Geschichte auf: Den Einsatz für Bergarbeiter 1995. Oder den Arbeitskampf am Düsseldorfer Flughafen 2005 im Zusammenhang mit der Ausgliederung der Caterer-Abteilung aus der LTU; der KDA begleitete den Arbeitskampf. Jürgen Widera erinnert bildreich und detailliert, so dass auf acht Seiten ein guter Eindruck entsteht, was die Aufgabe des KDA ist und was die eines „Industriepfarrers“. Zu letzterem zitiert Widera den Satiriker Wiglaf Droste. Dieser fragte in seiner Glosse für die marxistische Tageszeitung „Junge Welt“, zum Thema Industriepfarrer verwundert „was machen die eigentlich? Hochöfen mit Oblaten füttern?“ Widera schreibt, dass die Spitzzüngigkeit des Kolumnisten durchaus auf den Kernauftrag des Industriepfarrers weise: Denn dessen Aufgabe sei es, „zwei Bereiche, zwei Lebenswelten, zwei Milieus miteinander in Kontakt zu bringen, die auf den ersten Blick nicht nur für Atheisten kaum etwas miteinander zu tun haben: Kirche und Arbeitswelt.“ Widera lässt seinen Artikel mit diesem Abschnitt enden: „Trefflicher als mit dem Ansatz ´bei den Bedürfnissen und Interessen der Menschen in den Betrieben´ kann man den KDA kaum beschreiben. In diesem Sinne versucht der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt die soziale Verantwortung wahrzunehmen, die Kirche gerade in unserer Region hat. Das heißt nicht, von der hohen Warte aus zu moralisieren, es sich einfach zu machen, indem man gewissermaßen über den sogenannten ´Sachzwängen´ schwebt. Aber es ist die Sache von Kirche, die grundsätzlichen Fragen nach Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu stellen – und das nicht im Elfenbeinturm, sondern an den Schauplätzen der konkreten Auseinandersetzungen um Arbeit und Würde. Diese Sache wahrzunehmen, gehört zum ausgewiesenen Profil der Kirche am Niederrhein.“ Das „Duisburger Jahrbuch 2018“ ist in allen Duisburger Buchhandlungen, im Internet und direkt beim Mercator Verlag (www.mercator-verlag.de) erhältlich. Zur Internetseite unserer Industriepfarrer: www.kda-niederrhein.de.
Pfarrer Jürgen Widera.		 Foto: Evangelischer Kirchenkreis Duisburg
Copyright by Ev. Kirchenkreis Dinslaken
Meldungen DEZEMBER 2018
Hochöfen mit Oblaten füttern Industriepfarrer blickt auf 26 Jahre KDA zurück Zum Auftrag des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt gehöre „wesentlich, da zu sein und mit zu sein in akuten Konflikten, wenn Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen um ihre Rechte kämpfen, auf und an der Seite der Benachteiligten. Sein wesentliches Merkmal ist Parteilichkeit.“ So skizziert Industriepfarrer Jürgen Widera im gerade erschienenen „Duisburger Jahrbuch 2019“ das Selbstverständnis der evangelischen Einrichtung. Und Jürgen Widera blickt auf inzwischen 26 Jahre bewegte KDA-Geschichte zurück. Dazu gehört auch die Sache mit der Citibank. Der „Industriepfarrer“ schreibt: „Ende der 1990er Jahre setzte die Citibank Beschäftigte frei, weil sie für Tarifverträge gestreikt hatten. Der KDA solidarisierte sich und verfasste ein Flugblatt mit der Aufforderung, kein Konto bei der Bank zu eröffnen, bis die Ex-Beschäftigten wiedereingestellt seien. Die Citibank – damals der Welt größte Kundenbank – verklagte daraufhin den KDA auf Unterlassung. Die Klage wurde vor Gericht abgewiesen, die Citibank legte mehrfach Berufung ein, bis letztendlich das Oberlandesgericht Düsseldorf endgültig dem KDA Recht gab. Begründung: Es sei nicht nur das Recht der Kirche, Ungerechtigkeiten zu benennen, sondern ihre verfassungsmäßige Aufgabe und Pflicht!“ Jürgen Widera, der seit 1992 zusammen mit Hans-Peter Lauer als Pfarrer im Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA), arbeitet, nimmt in dem Artikel weitere Streiflichter der KDA-Geschichte auf: Den Einsatz für Bergarbeiter 1995. Oder den Arbeitskampf am Düsseldorfer Flughafen 2005 im Zusammenhang mit der Ausgliederung der Caterer-Abteilung aus der LTU; der KDA begleitete den Arbeitskampf. Jürgen Widera erinnert bildreich und detailliert, so dass auf acht Seiten ein guter Eindruck entsteht, was die Aufgabe des KDA ist und was die eines „Industriepfarrers“. Zu letzterem zitiert Widera den Satiriker Wiglaf Droste. Dieser fragte in seiner Glosse für die marxistische Tageszeitung „Junge Welt“, zum Thema Industriepfarrer verwundert „was machen die eigentlich? Hochöfen mit Oblaten füttern?“ Widera schreibt, dass die Spitzzüngigkeit des Kolumnisten durchaus auf den Kernauftrag des Industriepfarrers weise: Denn dessen Aufgabe sei es, „zwei Bereiche, zwei Lebenswelten, zwei Milieus miteinander in Kontakt zu bringen, die auf den ersten Blick nicht nur für Atheisten kaum etwas miteinander zu tun haben: Kirche und Arbeitswelt.“ Widera lässt seinen Artikel mit diesem Abschnitt enden: „Trefflicher als mit dem Ansatz ´bei den Bedürfnissen und Interessen der Menschen in den Betrieben´ kann man den KDA kaum beschreiben. In diesem Sinne versucht der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt die soziale Verantwortung wahrzunehmen, die Kirche gerade in unserer Region hat. Das heißt nicht, von der hohen Warte aus zu moralisieren, es sich einfach zu machen, indem man gewissermaßen über den sogenannten ´Sachzwängen´ schwebt. Aber es ist die Sache von Kirche, die grundsätzlichen Fragen nach Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu stellen – und das nicht im Elfenbeinturm, sondern an den Schauplätzen der konkreten Auseinandersetzungen um Arbeit und Würde. Diese Sache wahrzunehmen, gehört zum ausgewiesenen Profil der Kirche am Niederrhein.“ Das „Duisburger Jahrbuch 2018“ ist in allen Duisburger Buchhandlungen, im Internet und direkt beim Mercator Verlag (www.mercator-verlag.de) erhältlich. Zur Internetseite unserer Industriepfarrer: www.kda-niederrhein.de.
Pfarrer Jürgen Widera.		 Foto: Evangelischer Kirchenkreis Duisburg M E L D U N G E N